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Büro Dr. Paula
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Freiraumplanung Landeskrankenhaus Graz West

Fr, 13. August 2004
Beitrag von Dipl. Ing. Thomas Proksch
Die Lage des Areals an einer durch die morphologischen Voraussetzungen sehr stark definierten Stadtkante zwischen Wohnbebauung und landwirtschaftlich genutzten Flächen mit dem noch großteils bewaldeten Hangbereich des Plabutsch als markante landschaftliche Kulisse gab den Anstoß, Elemente der traditionellen Kulturlandschaft als Gestaltungsmittel einzusetzen. Baumzeilen, Hecken und eine den Obstbaumwiesen nachempfundene Rasterpflanzung stellen die wesentlichen raumgliedernden Elemente dar, großzügige extensive Wiesenflächen sind weitere Erinnerungsträger an die örtliche Kulturlandschaft und deren Geschichte. Durch die Wahl geeigneter Gestaltungsmittel konnte ein zusammenhängender, identitätsstiftender, die unterschiedlichen Gebäudekomplexe (UKH, LKH, Schwesternheim) verbindender Freiraum geschaffen werden. Die Größe des Areals einerseits und das Volumen sowie die differenzierte architektonische Sprache der einzelnen Baukörper anderseits evozierten eine zusätzliche räumliche Gliederung durch vegetabile Mittel.

Während extensive Wiesenflächen die raumverbindende Oberflächenstruktur darstellen, fungieren die örtlichen Baumzeilen und aufgelockerten Baumpflanzungen als vegetabile Raumteiler, ohne dabei die optische Durchlässigkeit und den weiten Blick unter den Kronendächern zu unterbinden. Die Verwendung von Schotterrasen für die ausgedehnten Feuerwehrzufahrtsbereiche erlaubt es, diese in den ausgedehnten Wiesenbereichen zu verorten, ohne dabei deren räumliches Kontinuum zu brechen. Bodendeckende Gehölze und Stauden, mit Efeu als Grundstruktur, werden primär in Böschungen und schwer zugänglichen Bereichen eingesetzt. Die der Südostfassade der Sonderklasse vorgelagerten Staudenbeete sind als örtliche Farb- und Duftakzente konzipiert und geben dem gebäudezugeordneten Bereich einen besonderen Flair. Die langgestreckten, rechteckigen Staudenbeete liegen wie eingerostete, auf die Grundfläche projizierte Schiebepaneele vor der Gebäudefassade. Die Beete werden mit plan versetzten Stahlrahmen eingefasst, dies erleichtert langfristig die Pflege und gewährleistet die Beständigkeit der strengen geometrischen Form. Die zu verwendenden Pflanzen wurden, unter Berücksichtigung der Jahreszeitenaspekte, farblich auf die Materialien der Fassade abgestimmt Das Wegesystem, das in Form interner Spazierwege ohne Anbindung an den öffentlichen Raum konzipiert ist, bindet schlüssig an die Gebäudezonen an und ermöglicht es, den zur Verfügung stehenden Raum in seiner vollen Tiefe zu erleben. Die zwei zu gestaltenden Höfe wurden als stark architektonisch geprägte Enklaven mit begrenzten Licht -und Raumverhältnissen interpretiert. Da eine "Nutzung" der Höfe als Aufenthaltsraum nicht vorgesehen ist, stellen sie primär Schauflächen dar. Die Sprengung der räumlichen Enge wurde zum Thema für die Ausgestaltung der Höfe gewählt. Als schlichtes Mittel für die gestalterische Umsetzung dieses Themas dient die gebogene bzw. die richtungsmäßig versetzte Linie. Diese Linien sind vollkommen eigenständig und unabhängig von der strengen Geometrie des jeweils angrenzenden Gebäudeteiles. Obwohl physisch unmittelbar an der Fassade gebrochen, sollten sie im Betrachter die imaginäre Fortsetzung über diese Grenzen hinaus evozieren. Die Linien stellen Grenzlinien zwischen unterschiedlichen Oberflächen dar; Kiesflächen treffen an ihnen auf unterschiedlich akzentuierte Grünbereiche. In diesem Sinn wurde versucht, unter den gegebenen Rahmenbedingungen, ein Freiraumgerüst auszubilden, das sich durch räumliche Großzügigkeit, Nutzungsoffenheit und räumliche Authentizität auszeichnet, ohne sich durch eine überzogene gartenkünstlerische Inszenierung aufzudrängen bzw. die Architektursprache des markanten Gebäudeensembles zu konterkarieren. LAND IN SICHT Büro für Landschaftsplanung Dipl.Ing. Thomas PROKSCH Ingenieurkonsulent für Landschaftsplanung und Landschaftspflege A-1030 Wien, Engelsberggasse 4 / 4.OG T +43 / 1 / 718 48 41 - 0* F +43 / 1 / 718 48 41 - 20 land.in.sicht@gpl.at  www.gpl.at  Projektteam: Dipl.Ing. Andreas Benes Dipl.Ing. Bernadette Di Centa Dipl.Ing. Karin Graf Dipl.Ing. Thomas Proksch Dipl.Ing. Katharina Stadler