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EIN TYROLER POSSENSPIEL

Sa, 11. Februar 2006
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Ein Tyroler Possenspiel ...

stellt meistens schönes, altes Brauchtum dar und kann erfreulich sein.

Die Posse um das vom Finanzminister zu mieten gewünschte sogenannte Bauernhaus in Kitzbühel ist dagegen mehr als eine peinliche Provinzposse, - sie ist ein Trauerspiel erster Güte aus dem schönen Tyrol. Und sie gibt beredtes Zeugnis, wofür Raumplanung - nicht nur im Tyrol - oftmals herhalten muß ... Wer das Bild des in Rede stehenden neugebauten und alle musealen Anforderungen übertreffenden Hofes bei Kitzbühel gesehen hat, weiß, daß hier keine Landwirtschaft mehr betrieben werden wird und auch in Zukunft nicht mehr betrieben werden kann. Kein echter Landwirt, der auch nur den Funken einer wirtschaftlich notwendigen Nutzung seines Betriebsgebäudes im Auge hat, errichtet ein - zugegeben - formschönes museales Gebäude im Stil des vorvorvorigen Jahrhunderts, um darin die Landwirtschaft im Sinne der Sozialromatik vergangener Zeiten zu betreiben. Er müsste wegen fahrlässiger Krida dem Konkursrichter vorgeführt werden. Nur die reichlich obskuren Bestimmungen des Tyroler Raumordnungsgesetzes ermöglichen es, einen solchen Neubau im Grünland zu errichten, wenn damit die Fiktion einer "echten" landwirtschaftlichen Nutzung vorgeblich nachgewiesen werden kann.

Und da wird von der Behörde geprüft, ob der Wohnraum mit dem Herrgottswinkel wirklich nur die vorgeschriebenen max. 47,5 m² groß ist und ob in der Küche auch ein echter gemauerter Herd mitsamt dem vorgeschriebenen Wasserschiff ist anstatt einer neuzeitlichen Warmwasserbereitung durch Photovoltaik und ob in dem vorgeschriebenen Stall auch wirkliche Schweine (natürlich nur alte Rassen, die heute keiner mehr kennt) sind und ob die Wiesen auch wirklich noch mit einer handgedengelten Sense aus norischem Eisen, vorzüglich aus Steyr, gemäht werden und überhaupt ... Und dann prüfen die tyroler Behörden, ob ein Mensch, der nicht schon mit einer krachledernen Hosen auf die Welt gekommen ist und strafverschärfend auch nicht ordentlich kkkrächzzzen kann, einen solchen Hof (ohne jede landwirtschaftliche Notwendigkeit im Grünland völlig neugebaut, wohlgemerkt) überhaupt mieten darf. Bedenkt man, daß wir in Österreich bereits darüber nachdenken müssen, wie wir die gut und intensiv nutzbaren landwirtschaftlichen Gunstlagen östlich der Kitzbüheler Alpen aus der Produktion nehmen, zeigt das tyroler Beispiel schön auf, wofür die Raumplanung - ob man den Finanzminister nun mag oder nicht - gerne herangezogen wird ...